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Neue Studie: Warum Eltern ihre Kinder an Privatschulen schicken

Mercator hat eine Studie gemacht, um herauszufinden weshalb Eltern ihre Kinder an die Privatschule schicken und was die Volksschule daraus lernen kann.

Eine Mehrheit der Eltern in der Schweiz würde ihr Kind an einer Privatschule unterrichten lassen, wenn sie die Mittel dazu hätten. Das zeigte die Studie «Welche Schule will die Schweiz». Jetzt zeigt eine neue Untersuchung der Pädagogischen Hochschule FHNW, warum das so ist – und wie sich die Volksschule weiterentwickeln könnte, um dem Trend entgegenzuwirken.

 

Kinder sollen Wissen erwerben, aber auch Freude am Lernen haben: Das sind laut einer umfassenden Sotomo-Studie aus dem Jahr 2023 die wichtigsten Erwartungen, die Eltern in der Schweiz an die Schule haben. Gleichzeitig zeigte die Studie auf, dass sechs von zehn Eltern ihr Kind aus der Volksschule nehmen und in eine Schule mit privater Trägerschaft geben würden, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Jetzt zeigt eine neue Studie der Pädagogischen Hochschule FHNW (PDF) im Auftrag der Stiftung Mercator Schweiz, dass zwischen diesen Erkenntnissen ein Zusammenhang besteht.

Der mit Abstand wichtigste Grund, wieso Eltern in der Schweiz ihre Kinder an eine Privatschule schicken, ist ihre Überzeugung, dass diese «das Selbstbewusstsein sowie die Freude und Neugierde am Lernen» fördert. Ihr Kind ging laut den befragten Eltern zuvor schlicht «nicht gerne zur Schule». In den vertiefteren Aussagen der Studie geben die Eltern an, dass sie sich eine Schule wünschen, die auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes flexibler eingeht, statt an schwerfälligen Strukturen festzuhalten. Andere Gründe, die bei Wechseln an Privatschulen manchmal vermutet werden – beispielsweise die Hoffnung auf bessere Leistungen – spielen für die befragten Eltern keine oder eine geringe Rolle.

Entwicklungsmöglichkeiten für die Volksschule

Die Studie leitet aus den Erkenntnissen Hinweise ab, wie sich die Volksschule weiterentwickeln könnte, um dem Abwanderungssog an Schulen in privater Trägerschaft entgegenzuwirken. Ganz grundsätzlich müsse laut Studienautorinnen das Wohlbefinden der Kinder ins Zentrum gestellt werden, da dieses «stets den Ausgangspunkt für den Schulwechsel bildet». Gleichzeitig brauche es mehr «strukturelle Freiräume für individuelle Entwicklung».

Konkret haben die Forscherinnen aufgrund ihrer Erkenntnisse folgende Entwicklungsfelder für die öffentliche Schule abgeleitet:

  • Flexiblere Lernformen: interessengeleitetes Lernen, Projektarbeit, Lernen im Team
  • Offenere Schulstruktur: Aufbrechen des 45-Minuten-Takts und einer starren Fächerstruktur, kleinere Klassengemeinschaften, Jahrgangs- und klassenübergreifendes Lernen, Tagesschule
  • Stabilität im Lehrpersonen- und Betreuungsteam
  • Verzicht auf Hausaufgaben und traditionelle Benotung: individuelle Lernzeit in der Schule statt Hausaufgaben, regelmässige Gespräche über Entwicklung statt fester Noten

Tatsächlich versuchen bereits heute viele öffentliche Schulen, sich in diese Richtung zu entwickeln. Viele Volksschulen und der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH setzten sich genau für diese Themen ein, sagte dessen Präsidentin Dagmar Rösler dem Sonntagsblick, der über die Studie berichtete. Allerdings brauchen die Schulen auch die entsprechenden Rahmenbedingungen: «Im Gegensatz zu Privatschulen ist die Volksschule auf den politischen Willen angewiesen, damit beispielsweise Tagesstrukturen aufgebaut werden können», so Rösler im Artikel. Grosse Klassen, die Heterogenität der Schülerschaft und der Personalmangel setzten der individuellen Förderung Grenzen. «Die Politik sollte die Volksschule mehr unterstützen und stärken.»